Aids-Hilfe Mainz

Aids und seine Symbole

Die Rote Schleife

Seit 1988 wird jedes Jahr am 1. Dezember der Welt-Aids-Tag begangen - ein Tag der Solidarität mit Menschen, die mit HIV und Aids leben und denen, die ihnen nahe stehen. Es ist auch ein Tag der Mahnung an die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft, eine Aidsprävention, die an den Lebensrealitäten der Menschen orientiert ist, nachhaltig zu unterstützen. Weltweit bekanntes Symbol für die Solidarität mit HIV-Positiven und Aidskranken, aber auch für Kampf gegen die Krankheit steht die Rote Schleife.

Entwickelt wurde sie im Frühjahr 1991 von der New Yorker Künstlergruppe, nach Europa kam sie 1992, als bei einem Gedenkkonzert für den an den Folgen von Aids verstorbenen Sänger Freddie Mercury in London über 100.000 Schleifen verteilt wurden.

Im Frühjahr 1991 entwickelte Visual AIDS in New York die Idee für ein globales Symbol im Kampf gegen die Immunschwäche AIDS. Ein Symbol für Solidarität und Toleranz gegenüber den von der Gesellschaft häufig ausgegrenzten HIV-Positiven und AIDS-Kranken.

In Anlehnung an die gelben Schleifen, die damals in den USA als Zeichen des Gedankens an die im Golfkrieg kämpfenden Soldaten noch sehr verbreitet waren, entstand die Idee der Roten Schleife von dem Maler Frank Moore (1953-2002) in New York, die ein globales Zeichen für den Kampf gegen Aids entwickelten.

Paul Jabara (1948-1992) war Sänger und Songwriter, Schauspieler und Musikproduzent. Zu seinen bekannten Liedern gehören unter anderen:

  • "Last Dance" für Donna Summer
  • "The Main Event" für Barbra Streisand
  • "No More Tears (Enough Is Enough)" (für Donna Summer und Barbra Streisand)
  • "Take Me Home" für Cher
  • "Work That Body" für Diana Ross
  • "It's Raining Men" für The Weathergirls
  • "Two Lovers" für Julio Iglesias

Für "Last Dance," in den Film "Thank God It's Friday", erhielt er den Grammy Award und 1978 den Academy Award für den besten Song. Als Schauspieler gehörte er zur Originalbesetzung der Broadwayaufführung von "Hair" und der "Rocky Horror Picture Show". 1991 begründete er die "Red Ribbon Foundation" mit, entwickelte und verteilte als einer der ersten die Rote Schleife. Paul Jabara starb im Alter von 44 Jahren am 29. September 1992 in Los Angeles an den Folgen von Aids.

Inzwischen kennt fast jeder in Amerika das Red Ribbon oder besitzt selbst eines.

Die New Yorker Modemacher dachten nach dem Tod des Designers Angel Estrada (der an den Folgen von Aids verstorben war), die Erkrankung durch ihre Entwürfe bekannt zu machen. Sie kamen zu dem Schluss, dass Gesundheit wichtiger sei als der Schnitt ihrer Produkte. In diesem Sinne war die Schleife zunächst als ein dezenter Hinweis gedacht. Roger McFarlane von der "Theatre AIDS Support Group" am Broadway sah in der Schleife zunächst nicht mehr als ein "sichtbares" Zeichen. Er war sich darüber klar, dass sie Menschen weder satt noch sie vor Diskriminierung schützen konnte, geschweige denn Heilung versprach. Aber sie war ein erster Schritt, der im Kampf gegen Aids notwendig gewesen ist. Die Schleife ist "nur" eine Geste, in der jeder, der sie trägt, seine persönliche Einstellung nach außen trägt.

Als Modeerscheinung wird sie vielleicht bald ihre Funktion verlieren, so wie andere Symbole auch, aber durch sie kam das Wort "Aids" in die Köpfe der Menschen, die die Erkrankung gerne verdrängt hätten. Und auf diese Weise hat die Schleife eine wichtige und nützliche Funktion erfüllt.

Nach ersten Aktionen in der New Yorker Kunstszene visierte Visual AIDS alsbald den Tony Award an. In einer Blitzaktion verschickten Freiwillige Briefe und Red Ribbons an alle Teilnehmer. Der Filmschauspieler Jeremy Irons war leider einer der wenigen Künstler, die an diesem Abend mit der roten Schleife erschienen. Über die Bedeutung des Symbols erfuhren die Zuschauer damals nichts. Bei diesem "Debüt" hatte die Schleife die Bedeutung "Aids Ignoranz", da nicht viele Menschen wussten, warum andere die Schleife überhaupt trugen. Viele wussten noch nicht einmal, dass sie überhaupt etwas mit AIDS zu tun hatte. Es war Jamie Lee Curtis, die bei der Verleihung der Emmy Awards erstmals diese Bedeutung öffentlich erklärte. Nach Europa kam sie erstmals am Ostermontag 1992, als beim Freddie Mercury AIDS Awareness Tribute Konzert im Londoner Wembley Stadion über 100.000 rote Schleifen verteilt wurden. Über eine Milliarde Menschen in weltweit über 70 Ländern verfolgten das Konzert am Fernseher. Am gleichen Tag nahm in London "Red Ribbon International" seine Arbeit auf.

Seither sind in zahlreichen europäischen Ländern Gruppierungen nach dem Vorbild dieser ersten Organisation in Europa entstanden, Ende 1993 auch in Deutschland. Dort wurde das Red Ribbon erstmals bei der Aufzeichnung der ZDF Pop Show verteilt, die im Dezember 1993 vom ZDF europaweit ausgestrahlt wurde, wodurch das Red Ribbon einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. Die Bedeutung der roten Schleife wurde dem Publikum während der Sendung von Moderatorin Kristiane Backer erklärt. Im September 1994 wurde "Red Ribbon Deutschland" von der "Deutschen AIDS-Stiftung" als Förderkreis aufgenommen. Seit dem Start im November 1993 wurden in Deutschland mehr als 10 Millionen rote Schleifen verteilt.

Die Rote Schleife ist inzwischen auf der ganzen Welt zum Symbol für den Kampf gegen die Erkrankung geworden. Besonders bei schwulen und lesbischen Gruppen wird sie getragen. Sie kommt nun in den unterschiedlichsten Formen und Materialien daher. 1993 widmete die amerikanische Postbehörde der Roten Schleife eine Briefmarke mit der Aufschrift "Aids Awareness".

Der Erfolg der Roten Schleife stimulierte viele andere Gruppierungen, die Schleife als Symbol für ihre eigenen Zwecke zu verwenden. So symbolisiert etwa die Rosa Schleife die Aufmerksamkeit für Brustkrebs. Mit der Zeit ist das alleinige Tragen der Roten Schleife auch auf Kritik gestoßen. Einige Aktivisten finden, dass das Tragen der Schleife nicht genug sei. Für sie ist Schleife lediglich Ausdruck der "political correctness" und weniger eines bedeutungsvollen sozialen und politischen Standpunkts. Andere wiederum kritisieren die Kommerzialisierung der Epidemie durch den Verkauf von entsprechenden Symbolen wie der Schleife, Kaffeetassen, Schlüsselanhängern oder als Christbaumschmuck und seit einigen Jahren auch Teddybären. Dem wird wiederum entgegen gehalten, dass durch den Verkauf der Artikel Projekte finanziert und soziale Einrichtungen unterhalten werden können, was wiederum den Betroffenen zu Gute käme und dass bei aller Kritik, durch die Schleife die Bedeutung der Erkrankung in der Öffentlichkeit wach gehalten werde. Modern sind inzwischen auch die Solidaritätsarmbänder, die es in verschiedenen farblichen Ausführungen für die unterschiedlichsten Gruppierungen gibt. Erstmals waren sie zum Welt-Aids-Tag 2005 erhältlich.

Der Aids Memorial Quilt

Neben der Roten Schleife ist der AIDS-Memorial-Quilt das wohl anerkannteste Symbol der Aids-Epidemie. Er wurde 1987 gegründet und bis 1996 auf fast 50.000 Teile angewachsen. Die einzelnen Stücke werden von Angehörigen, Partnern und Freunden von Verstorbenen aus Erinnerungsstücken (Fotos, Zitaten und anderen Teilen) zusammengesetzt.

Als Kulturphänomen folgt diese Praxis der Tradition von "memory quilts", die aus alten Kleidungsstücken, Decken und anderen Gegenständen der Familienangehörigen zusammengesetzt wurden. Als Erziehungsmittel stellt der Quilt eine emotional zwar bewegende, aber nicht Furcht auslösende Möglichkeit dar, sich mit der Erkrankung und deren Folgen auseinander zu setzen.

Die Idee entstand 1978 durch den Schwulenaktivist Cleve Jones in San Francisco beim Gedenken an Harvey Milk. Als 1985 bereits über 1.000 Menschen in dieser Stadt an den Folgen von Aids verstorben waren, bat er die Teilnehmer eines Gedenkmarsches, die Namen der Verstorbenen auf Plakate zu schreiben. Diese Plakate wurden anschließend an die Wand eines Bundesgebäudes gehängt und ähnelten somit dem Quilt, wie er heute bekannt ist. Jones stellt das erste Teilstück 1986 für seinen verstorbenen Partner Marvin Feldman her, dem noch heute der gesamte Quilt gewidmet ist. 1987 wurde das NAMES Project gegründet und immer mehr Teilstücke aus der ganzen Welt kamen hinzu. 1987 bestand er bereits aus 1.920 Teilen und wurde erstmals in Washington ausgestellt. Seitdem wird der Quilt regelmäßig in Teilen ausgestellt und für Spendensammelaktionen benutzt, die Aids-Hilfe-Einrichtungen zugute kommen. Bei diesen Ausstellungen ist es üblich, dass die Namen der Verstorbenen laut vorgelesen werden. 1989 gehörte das Projekt zu den Nominierungen für den Friedensnobelpreis (den schließlich Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama, erhielt). Zum Welt-Aids-Tag 1996 konnte das Projekt zum ersten Mal online im Internet betrachtet werden.

Der Aids Teddy

Der als „Aids-Pfarrer“ arbeitende Heiko Sobel hatte bei seinen Studienaufenthalten in den 80er Jahren in San Francisco eine Idee.

HIV und an Aids erkrankte Menschen waren in jener Zeit besonders starken Anfeindungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Als Solidaritätszeichen bekamen sie im Hospital einen Teddy geschenkt. Der Gedanke ging damals vom damaligen Bürgermeister von San Francisco aus. Mit dieser Geste zeigte er den Betroffenen, dass sie immer Mitbürger der Stadt sein würden; egal was komme. Der Bär ist auch im Staatswappen von Kalifornien enthalten, seit 1911 ist die „Bear Flag“ die Offizielle Staatsflagge Kaliforniens.

Heiko Sobel nahm dieses Zeichen der Solidarität mit nach Europa und verteilte es in seinem Wirkungsbereich an die Menschen mit HIV und Aids. Er gab ihnen einen Bären zum Liebhaben, etwas zum Festhalten in einer Zeit, in der niemand mehr da ist, der einen festhalten mag.

An jeden Neu-Ankömmling wurde beim Eintritt ins Hospiz “Zürcher Lighthouse“ ein Teddy verschenkt, der ihn auf seiner letzten Wegstrecke begleitete. (Die Stiftung Zürcher Lighthouse wurde 1988 zur schnellen und unkomplizierten Hilfe für unheilbar AIDS-Kranke gegründet). Zugesagte Subventionen wurden kurz nach der Eröffnung des Hospiz zurückgezogen und so musste der damalige Hospizleiter Heiko Sobel und sein Team dringend Geld beschaffen, um das Haus vor der Schließung zu bewahren.

Durch Zufall bekam Sobel mit, das eine Zürcher Firma zur Weihnachtszeit tausende kleiner Bären als Kundengeschenke bestellt hatte. Er brachte sie dazu, sie dem Hospiz zu spenden. Gemeinsam mit einem Marketingleiter entwickelte er eine Idee, die er kurz vor Weihnachten mit seinem Team umsetzte.

Sie verteilten die Aids-Teddys am Züricher Hauptbahnhof an die Bevölkerung. Gegen eine Spende von 10 Franken (ca. 6 Euro) konnten die Leute einen Bären mit nach Hause nehmen oder als Zeichen der Solidarität mit dem Lighthouse an einem aufgestellten Christbaum aufhängen. Die Sammelaktion war so erfolgreich, dass sie in den kommenden Jahren am Hauptbahnhof und an anderen Orten in Zürich in der Vorweihnachtszeit und im Umfeld des 1.Dezembers durchgeführt wurde.

Das Hamburger Hospiz “Hamburg Leuchtfeuer“ übernahm auch die Idee der Sammelaktion, die genauso erfolgreich war. Nach Hamburg folgten die Aids-Organisationen in Köln, München, Düsseldorf und Frankfurt am Main.

Mittlerweile dient der Aids-Teddy in über 100 Städten Deutschlands und Europas jedes Jahr zur Spendengewinnung und Solidarisierung mit den Betroffenen.

Silence = Death

Am wenigsten bekannt ist wohl dieser Slogan. Typischerweise erscheint er unter einem leuchtenden rosa Dreieck, das nach oben zeigt. Links eine Darstellung durch den Künstler Keith Haring.

Der Slogan und das Dreieck haben eine mehr politische Bedeutung als die Schleife und der Quilt und beziehen sich eher auf den Kampf schwuler Männer um mehr Toleranz und Anerkennung.

Das rosa Dreieck kennzeichnete in den Konzentrationslagern der Nazis die bekannten oder denunzierten Homosexuellen als Zeichen ihrer Neigung, ähnlich wie die Juden den Davidsstern tragen mussten. Die Homosexuellen stellten die unterste Stufe in der Hierarchie in den Konzentrationslagern dar und waren besonders schlimmen Behandlungen ausgesetzt.

Das Symbol des rosa Dreiecks wurde von Aktivistengruppen während der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts verwendet, typischerweise zeigt die Spitze des Dreiecks dabei nach oben. Sie wollten damit das Symbol der Erniedrigung in eines von Solidarität und Widerstand verändern. Zu Ausbruch der Aids-Epidemie in der Mitte der 80er Jahre war es bereits zu einem bekannten Zeichen schwulen Stolzes und Befreiung geworden.

Einer der Mitbegründer des „Silence=Death“-Projekts im Jahr 1986 war der Künstler Avram Finkelstein. Zusammen mit einer Gruppe Gleichgesinnter entwarf er das Logo, um auf das zögerliche und homophobe Verhalten der Regierung auch im Zusammenhang mit HIV und Aids aufmerksam zu machen. 1987 begannen sechs schwule Aktivisten in New York Poster und Aufkleber mit den Worten "Silence = Death" zusammen mit dem rosa Dreieck überall zu verteilen. In ihrem Manifest zogen sie Parallelen zwischen der Verfolgung Homosexueller während der Nazi-Diktatur und der beginnenden Aids-Krise. Der Slogan war Ausdruck des Protests gegen die öffentliche Diskussion über "safer sex" und die Ignoranz und soziale Ungerechtigkeit der Regierung gegenüber den Betroffenen. Die Gründer des Projekts schlossen sich schließlich der Gruppe "ACTUP" (Aids Coalition to Unleash Power) an und stellten ihr das Logo zu Verfügung.

Das Zeichen kommt inzwischen in verschiedenen Ausführungen daher (Plakate, Buttons, etc.) und war auch der Vorläufer für den anderen Slogan (Ignorance = Fear), der u.a. durch ein Bild von Keith Haring bekannt wurde.

Wegen der immer stärker werdenden Vermischung mit Aids wurde in den 90ern das rosa Dreieck durch den Regenbogen als Zeichen für schwulen Widerstand und Selbstbewußtsein ersetzt, allerdings ist heute in vielen Ländern der Erde der Regenbogen ein Symbol, das eng mit der Aids-Erkrankung verbunden ist.

Das Rote Gummiband

Lance Armstrong trug im Juli 2004 zum ersten Mal ein gelbes "Motivationsband", mit dem er auf die von ihm 1997 geründete Krebsstiftung aufmerksam machte. Seitdem machen es ihm viele Menschen auf der Welt nach. Ein rosa Silikonband steht für die Brustkrebshilfe, ineinander verschlungene schwarze und weiße Bänder für den Kampf gegen Rassismus im Fußball. Die Deutsche Aids Hilfe bot ein rotes Silikonband mit den Worten "Verantwortung" und "Take care" an. Es ergänzte die traditionelle Rote Schleife, die für Solidarität mit den von HIV und Aids besonders Bedrohten steht. Das Band sollte nach außen hin sichtbar machen, dass man Verantwortung für dem Schutz vor HIV für sich und für andere übernimmt.

Namen und Steine

Denkraum: Namen und Steine war ein Projekt der Deutschen Aids-Stiftung und wurde im Jahr 1992 zusammen mit dem Künstler Tom Fecht (siehe Bild) ins Leben gerufen. Dabei geht es um das Gedenken und die Erinnerung an Menschen, die an den Folgen von Aids gestorben sind. Die erste Installation der Steine fand zur dokumenta IX in Kassel statt. Seidem sind in 26 deutschen Städten und im europäischen Ausland Gedenkstätten mit mehr als 2.300 Steinen entstanden. Das Projekt endete im Jahr 2000 und wird seitdem durch die regionalen Aids-Hilfen organisiert.

Ein Teil des Projekts ist „Nature Forte“, das Tom Fecht in der „Akademie Waldschlösschen“ in Göttingen installiert hat. In der Altstadt-Nord in Köln wurde das Projekt 1992 unter dem Titel „memoire nomade“ mit 238 Steinen realisiert.

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